
Ein australisches Unternehmen hat ein höchst effizientes System zur Nutzbarmachung der Gezeiten-Energie nach dem Vorbild der Haifischflosse entwickelt.
Die ganze Welt braucht ständig mehr Ener
gie und Australien hat eine gute Antwort auf das Problem: Es hat den Pazifischen Ozean und durch diesen eine ganz besondere Energieart vor der Haustür: Gezeitenenergie.
Diese neue Meeresenergie-Anlage basiert auf der höchst leistungsfähigen Flossenstruktur des Haifischs, des Thunfischs und der Makrele.
Wie der Erfinder, Prof. Tim Finnigan von der Universität Sydney, dazu sagt: "Mir wurde klar, dass die Systeme, die am besten funktionieren, die schon vorhandenen sind."
Das Gezeitenkraft-System wird innerhalb von nur drei Arbeitstagen am Meeresboden verankert und erzeugt dann Strom aus Wasser, indem es dessen ständige Hin- und Herbewegung in einen Generator umleitet. Dabei wird ein sehr hoher Wirkungsgrad von 90 % durch die Nachahmung der Fischflossen erreicht. Das Unternehmen schreibt selbst dazu: "Die Bewegungsmechanismen und tragflächenartigen Formen der Schwanzflossen dieser Arten sind durch natürliche Selektion optimiert worden und dafür bekannt, dass sie bis zu 90 % der aufgewendeten Körperenergie in Vortriebskraft umsetzen. Indem es diese Tiere nachahmt, profitiert das bioSTREAM System von 3,8 Milliarden Jahren Entwicklungsoptimierung Die übernommenen biologischen Merkmale ergeben ein kosteneffektives und zuverlässiges System von erneuerbarer Energie."
Das Unternehmen schreibt weiter, dass aufgrund der wenigen beweglichen Teile diese spezielle Gezeitenkraft-Technologie nur niedrige Wartung erfordert, während sie mit einer kleinen Grundfläche und einer minimalen Meeresströmung auskommt und deshalb sehr umweltfreundlich ist. BioSTREAM ist so robust entworfen und gebaut, dass es selbst Hurrikans und starken Meeresströmen widersteht.
BioPower Systems aus Eveleigh, Australien wurde von Dr. Timothy Finnigan, einem Marineingenieur von der Universität Sydney gegründet und entwickelt derzeit Anlagen für 500kW, 1 MW und 2 MW. Die größte der drei Meeresenergie-Anlagen wäre ausreichend, um etwa 1.600 Einfamilienhäuser mit Strom zu versorgen. Gegenwärtig liegt der Preis pro Kilowattstunde zwar noch über dem anderer Energieträger, aber dieser Wert kann im Laufe der Entwicklung noch verbessert werden. Im Moment laufen die Genehmigungsverfahren und die ersten kommerziell nutzbaren Anlagen werden Ende 2009 im Einsatz sein.
Die Idee an sich ist nicht neu. Bis ins Jahr 1799 zurück reichen dokumentierte Vorschläge zur Nutzung der Meeresenergie. Erste Patente für die Nutzung der Gezeitenkräfte wurden bereits in den 1890er-Jahren vergeben. Seit der Energiekrise der 1970er-Jahre wurden weltweit über ein Dutzend Testsysteme zur Erzeugung von Strm aus Wasser installiert, die teilweise wieder eingestellt wurden, teilweise aber auch noch in Betrieb sind. Im großen Stil genutzt wurde die Meeresenergie bislang jedoch nicht, wohl weil andere Energieträger billiger und einfacher abzuschöpfen waren. Seit dem Jahr 2005 häufen sich jedoch in verschiedenen Ländern die Projekte, die in der Gezeitenkraft eine Zukunft sehen. Immerhin wird das Potenzial der Gezeiten- und Meeresenergie auf 10 % der weltweiten Energieerzeugung geschätzt.

Grundlagen der Energiepolitik: Mit einem Vorwort von Klaus Töpfer
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